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Wochenrückblick

Arbeitsmarkt im August 2026: 3,06 Millionen Arbeitslose und 25.000 mehr gemeldete Stellen als im Vorjahr

Die Bundesagentur für Arbeit hat am Freitag die Augustzahlen vorgelegt. Das Statistische Bundesamt meldete in derselben Woche die Reallöhne für das 2. Quartal und eine Auswertung zur Schulbildung der neuen Auszubildenden.

Bundesagentur für Arbeit: wenig Bewegung in der Sommerpause

Am 28. August 2026 hat die Bundesagentur für Arbeit ihre Presseinfo Nr. 31 veröffentlicht. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im August um 54.000 auf 3.061.000. Gegenüber August 2025 sind das 36.000 mehr. Die Arbeitslosenquote legte um 0,1 Prozentpunkte auf 6,5 Prozent zu, im Vorjahresvergleich ebenfalls um 0,1 Punkte. Saisonbereinigt, also ohne den üblichen Sommereffekt, betrug der Anstieg gegenüber dem Vormonat 4.000 Personen. Der Vorstandsvorsitzenden Andrea Nahles zufolge zeigt sich „auch im August […] am Arbeitsmarkt jenseits des saisonüblichen Musters wenig Dynamik“.

Die Unterbeschäftigung, die auch Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen einbezieht, lag bei 3.674.000 Personen. Saisonbereinigt ging sie gegenüber dem Vormonat um 3.000 zurück, gegenüber dem Vorjahr stieg sie um 33.000. Für Juli weist die BA 45,66 Millionen Erwerbstätige aus, 226.000 weniger als ein Jahr zuvor; die Erwerbslosenquote betrug 4,2 Prozent. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Juni bei 34,81 Millionen Personen und damit 73.000 unter dem Vorjahreswert, die geringfügig entlohnte Beschäftigung bei 7,62 Millionen (minus 56.000). Kurzarbeit wurde zwischen dem 1. und 24. August für 14.000 Personen angezeigt; tatsächlich in Anspruch genommen haben sie im Juni 140.000 Beschäftigte, 55.000 weniger als im Vorjahr.

Die interessante Zahl steht bei der Stellennachfrage

Im Bestand der BA waren im August 656.000 Arbeitsstellen gemeldet. Das sind 25.000 mehr als im August 2025. Der Stellenindex BA-X blieb bei 103 Punkten und liegt damit 4 Punkte über dem Vorjahreswert.

Diese Kombination ist der eigentliche Befund der Woche: Die Arbeitslosigkeit steigt, und trotzdem sind mehr Stellen gemeldet als vor einem Jahr. Beides passt zusammen, weil Arbeitslose und offene Stellen selten dieselben Qualifikationen betreffen. Wer eine Fachärztin, eine Pflegefachkraft oder eine erfahrene Steuerfachangestellte sucht, merkt von einer höheren Arbeitslosenquote im Zweifel nichts. Die 656.000 gemeldeten Stellen sind zudem nur der Teil, den Arbeitgeber überhaupt an die Arbeitsagentur melden. In den Engpassberufen läuft ein Großteil der Besetzungen über Direktansprache, weil die passenden Leute in ungekündigter Stellung sitzen und keine Stellenbörsen lesen. Der Unterschied zwischen beiden Wegen steht im Ratgeber Direktansprache oder Stellenanzeige.

Ausbildungsmarkt: mehr Bewerber, deutlich weniger Ausbildungsstellen

Seit Oktober 2025 haben sich 433.000 Bewerberinnen und Bewerber für eine Berufsausbildungsstelle gemeldet, 4.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 451.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 32.000 weniger als im Vorjahr. 156.000 Bewerber waren bis August erfolgreich vermittelt, 11.000 weniger als ein Jahr zuvor. 116.000 der gemeldeten Ausbildungsstellen sind noch unbesetzt.

Für Praxen und Kanzleien, die jedes Jahr ausbilden, heißt das: Das Bewerberfeld ist nicht kleiner geworden, die Zahl der ausschreibenden Betriebe schon. Wer im September noch besetzen will, konkurriert also mit weniger Anbietern um ein leicht gewachsenes Bewerberfeld. Das ist eine der wenigen Konstellationen im Moment, in der die Ausgangslage für Arbeitgeber besser ist als im Vorjahr.

Reallöhne im 2. Quartal: plus 1,5 Prozent, aber nicht überall

Das Statistische Bundesamt hat am 27. August 2026 die Verdienstentwicklung für das 2. Quartal 2026 veröffentlicht (Pressemitteilung Nr. 308). Die Nominallöhne stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,1 Prozent, die Verbraucherpreise um 2,5 Prozent. Real blieben damit 1,5 Prozent mehr.

Aufschlussreich für die Personalarbeit ist die Verteilung. Überdurchschnittlich zugelegt haben die Nominallöhne in der Land- und Forstwirtschaft samt Fischerei (plus 8,9 Prozent), in der Energieversorgung (plus 7,6 Prozent) und bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (plus 7,5 Prozent). Am schwächsten fiel der Zuwachs bei „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ (plus 3,4 Prozent), in „Erziehung und Unterricht“ (plus 2,4 Prozent) und bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen aus, wo Destatis nur plus 1,8 Prozent misst. In diesen Wirtschaftszweig fallen unter anderem Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Rechtsberatung. Bei 2,5 Prozent Inflation bedeutet das für diesen Bereich im Schnitt einen realen Rückgang.

Nach Einkommenshöhe gerechnet hat das unterste Fünftel mit plus 6,7 Prozent am stärksten zugelegt, das oberste Fünftel mit plus 3,3 Prozent am wenigsten. Auszubildende kamen auf plus 6,0 Prozent, geringfügig Beschäftigte auf plus 4,7 Prozent.

Für Steuerkanzleien ist das ein unangenehmer Befund, weil er die Gehaltsschere zu anderen Branchen weiter öffnet, um die sie ohnehin konkurrieren: Eine Steuerfachangestellte mit Bilanzsicherheit ist auch für ein Unternehmen im Rechnungswesen interessant, und dort liegen die Zuwächse höher. Wer nicht über das Gehalt gewinnen kann, muss über die anderen Faktoren gewinnen. Was dabei tatsächlich hält, steht im Ratgeber Mitarbeiterbindung. Und wenn eine Stelle trotzdem lange offen bleibt, hilft die Rechnung aus dem Ratgeber Vakanzkosten, den Preis des Wartens gegen das Gehaltsangebot zu stellen.

Ein Viertel der neuen Azubis hat Abitur

Am 25. August 2026 hat Destatis als „Zahl der Woche“ Nr. 35 veröffentlicht, dass 26 Prozent der Auszubildenden mit einem 2025 neu abgeschlossenen Ausbildungsvertrag die Hochschul- oder Fachhochschulreife hatten. 2015 waren es 28 Prozent.

Zwischen den Ausbildungsbereichen liegen große Unterschiede: Im öffentlichen Dienst hatten 48 Prozent der neuen Auszubildenden diesen Abschluss, in Industrie und Handel 30 Prozent, bei den Freien Berufen 27 Prozent, in der Landwirtschaft 22 Prozent, im Handwerk 16 Prozent und in der Hauswirtschaft 4 Prozent. Zum Ausbildungsbereich Freie Berufe zählen unter anderem Medizinische Fachangestellte und Steuerfachangestellte, also genau die Ausbildungsberufe, um die Praxen und Kanzleien jedes Jahr werben.

Eine Einschränkung gehört dazu: Die Statistik beruht auf der Erhebung nach § 88 Berufsbildungsgesetz und erfasst nur Ausbildungsberufe nach BBiG oder Handwerksordnung. Ausbildungen an Berufsfachschulen, an Schulen des Gesundheitswesens und die Pflegefachausbildung sind nicht enthalten. Über den Nachwuchs in der Pflege sagt die Zahl also nichts aus, über den in der Arztpraxis schon.

Praktisch heißt das für die Anzeigentexte: Ein gutes Viertel der Bewerber für eine Ausbildung in Praxis oder Kanzlei hätte auch studieren können und entscheidet sich bewusst dagegen. Diese Gruppe fragt nach dem, was danach kommt, nach Fortbildung zum Steuerfachwirt, nach Spezialisierung, nach Perspektive. Eine Anzeige, die nur Aufgaben und Anforderungen auflistet, erreicht sie schlechter als eine, die den Weg nach der Ausbildung beschreibt.

Quellen: Bundesagentur für Arbeit – „Arbeitsmarkt im August 2026“, Presseinfo Nr. 31 (28.08.2026) · Statistisches Bundesamt – „Reallöhne im 2. Quartal 2026 um 1,5 % höher als im Vorjahresquartal“, Pressemitteilung Nr. 308 (27.08.2026) · Statistisches Bundesamt – „26 % der neuen Auszubildenden hatten 2025 Abitur“, Zahl der Woche Nr. 35 (25.08.2026)

Über den Autor

Max Besemer, Geschäftsführer der Vertico Executive Search GmbH
Max Besemer
Geschäftsführung · Vertico Executive Search GmbH

Verantwortet die Marke Expert Recruiting und die spezialisierte Personalvermittlung in Medizin, Steuer, Recht und Vertrieb – mit Fokus auf Direktansprache und Besetzungsgarantie.

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