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Wochenrückblick

Arbeitsmarkt Juli 2026: mehr offene Stellen, Steuerberatung stellt ein – und 12.000 fehlende Hausarztsitze bis 2040

Vier belegte Entwicklungen aus Arbeitsmarkt, Steuerberatung und Gesundheitswesen im Überblick.

Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit steigt saisonal – die Zahl der gemeldeten Stellen aber auch

Die Bundesagentur für Arbeit meldete am 31. Juli 2026 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 71.000 auf 3.007.000 Personen; die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 6,4 %. Saisonbereinigt fiel der Anstieg mit 6.000 deutlich schwächer aus — die BA führt die Zunahme vor allem auf den Beginn der Sommerferien zurück. Gegenüber Juli 2025 liegt die Arbeitslosigkeit um 28.000 höher. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Mai 2026 bei 34,83 Millionen und damit 69.000 unter dem Vorjahreswert.

Für die Personalgewinnung ist eine andere Zahl aus demselben Bericht interessanter: Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen lag im Juli 2026 bei 653.000 und damit 25.000 über dem Vorjahreswert. Der BA-Stellenindex BA-X blieb gegenüber dem Vormonat unverändert bei 103 Punkten, liegt im Jahresvergleich aber 4 Punkte höher. Die BA selbst bewertet die Arbeitskräftenachfrage weiterhin als schwach — der Vorjahresvergleich zeigt jedoch, dass die Nachfrage nach den Rückgängen der Vorjahre nicht weiter abgerutscht ist. Wer besetzt, konkurriert also nicht mit weniger, sondern mit wieder etwas mehr offenen Stellen.

Steuerberatung: eine der wenigen Branchen mit Einstellungsplänen

Das ifo Beschäftigungsbarometer stieg im Juli 2026 auf 93,0 Punkte, nach 92,2 Punkten im Juni. „Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich etwas, bleibt aber in schwierigem Fahrwasser. Für eine Trendwende braucht es noch mehr wirtschaftliche Dynamik“, ordnet ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe das Ergebnis ein. In der Industrie bleibt der Stellenabbau laut ifo das dominierende Thema, im Groß- wie im Einzelhandel überwiegen ebenfalls Abbaupläne, und bei den Dienstleistern bleibt eine leichte Abbautendenz bestehen.

Umso bemerkenswerter ist die Ausnahme, die das ifo Institut ausdrücklich nennt: Die Rechts- und Steuerberatung plant Beschäftigungsaufbau. Kanzleien suchen also weiter — und zwar in einem Umfeld, in dem die meisten anderen Branchen Personal reduzieren. Für Kanzleien heißt das: Der Wettbewerb um Steuerfachangestellte, Bilanzbuchhalter und Berufsträger findet nicht in einem entspannten Markt statt, sondern gegen andere Kanzleien mit denselben Plänen.

Medizin: bis 2040 fehlt rechnerisch jeder fünfte Hausarztsitz

Die Studie „Primärversorgung 2035+“, die das IGES Institut im Auftrag des Bosch Health Campus erstellt hat, wurde am 20. Juli 2026 veröffentlicht. Ihre zentrale Prognose: Bis 2040 bleiben in Deutschland rund 12.000 Hausarztsitze unbesetzt — etwa jeder fünfte. Derzeit fehlen rund 4.400 Hausärztinnen und Hausärzte. Treiber ist die Altersstruktur: 37 % der heute tätigen Hausärztinnen und Hausärzte sind mindestens 60 Jahre alt, und 55 % der heute Tätigen scheiden bis 2040 altersbedingt aus.

Regional fällt das Ergebnis sehr unterschiedlich aus. Laut Studie werden 2040 rund 19 % der Kreise hausärztlich unterversorgt sein, weitere 15 % liegen nahe an der Unterversorgungsgrenze. Für Baden-Württemberg — den regionalen Schwerpunkt der Untersuchung — rechnen die Autoren mit einem Rückgang der Hausarztdichte von 58 auf 51 Ärztinnen und Ärzte je 100.000 Einwohner und 15 von 44 betroffenen Stadt- und Landkreisen. Parallel verändert sich die Beschäftigungsform: Der Anteil angestellter Hausärztinnen und Hausärzte in Baden-Württemberg stieg von 11 % (2015) auf 28 % (2025). Die Anstellung wird damit zum Regelfall, auf den sich Praxen und MVZ bei der Personalgewinnung einstellen müssen.

Pflege: dritter Anstieg in Folge bei den Ausbildungsverträgen

Eine Entwicklung in die andere Richtung meldete das Statistische Bundesamt am 2. Juli 2026: 2025 schlossen rund 63.900 Auszubildende einen neuen Vertrag zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann ab — 8 % mehr als 2024 (59.400) und der dritte Anstieg in Folge (2022: 52.100, 2023: 54.400). Zum 31. Dezember 2025 befanden sich knapp 157.200 Menschen in der Pflegeausbildung, 7 % mehr als ein Jahr zuvor; rund 35.300 bestanden 2025 die Abschlussprüfung. Der Männeranteil unter den neuen Ausbildungsverträgen stieg auf 29 % (2020: 24 %). Der Nachwuchs wächst also — die Frage bleibt, wie viele der Ausgebildeten dem Beruf langfristig erhalten bleiben.

Quellen: Bundesagentur für Arbeit – Der Arbeitsmarkt im Juli 2026, Presseinfo Nr. 30 (31.07.2026) · ifo Institut – ifo Beschäftigungsbarometer Juli 2026 (29.07.2026) · IGES Institut – Studie „Primärversorgung 2035+“ im Auftrag des Bosch Health Campus (20.07.2026) · Bosch Health Campus – Pressemitteilung zur Studie (23.07.2026) · Statistisches Bundesamt – Pflegeausbildung 2025, Pressemitteilung Nr. 231 (02.07.2026)

Über den Autor

Max Besemer, Geschäftsführer der Vertico Executive Search GmbH
Max Besemer
Geschäftsführung · Vertico Executive Search GmbH

Verantwortet die Marke Expert Recruiting und die spezialisierte Personalvermittlung in Medizin, Steuer, Recht und Vertrieb – mit Fokus auf Direktansprache und Besetzungsgarantie.

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