Zwei Drittel der Betriebe nutzen keine KI, die meisten sehen keinen Anwendungsfall
Jeder vierte Betrieb setzt inzwischen generative KI ein. Bei der großen Mehrheit der übrigen hat das einen schlichten Grund: Sie sehen keinen Einsatzzweck. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom Dienstag. Am Donnerstag folgte eine IAB-Befragung dazu, wie weit Jugendliche für einen Ausbildungsplatz umziehen würden.
Fehlende Anwendungsfälle schlagen alle anderen Gründe
Laut IAB-Betriebspanel nutzte im zweiten Halbjahr 2025 jeder vierte Betrieb generative KI, fünfmal so viele wie 2023. Weitere 9 Prozent planten den Einsatz. Etwa zwei Drittel der Betriebe hatten dagegen keinerlei KI im Einsatz und auch keine entsprechenden Pläne. Diese Gruppe hat das IAB nach ihren Gründen gefragt.
Mit Abstand am häufigsten sagen die Betriebe, sie sähen derzeit keine Anwendungsmöglichkeit: 88 Prozent der Nichtnutzer. Alle anderen Gründe liegen weit dahinter. Genannt werden fehlendes Wissen (36 Prozent), fehlende Fachkräfte für die Einführung (34 Prozent), nicht kompatible Hard- und Software (33 Prozent), Datenschutz- und Sicherheitsbedenken (32 Prozent), rechtliche Unsicherheiten (32 Prozent) und zu hohe Kosten (30 Prozent). Enttäuschung spielt kaum eine Rolle: Nur 7 Prozent haben KI ausprobiert und ihre Erwartungen nicht erfüllt gesehen.
Kleine Betriebe sehen seltener einen Nutzen
Die Betriebsgröße macht einen deutlichen Unterschied. In Betrieben ab 200 Beschäftigten nannten weniger als zwei Drittel der Nichtnutzer fehlende Anwendungsfälle, in Kleinstbetrieben fast 90 Prozent. Kaum eine Rolle spielt dagegen, wie stark die Tätigkeiten im Betrieb sich mit KI-Sprachmodellen beschleunigen ließen. Von den Nichtnutzern mit der höchsten beruflichen KI-Betroffenheit sehen 85 Prozent keine Anwendung, bei der geringsten Betroffenheit sind es 91 Prozent. Über alle Betriebe betrachtet ist der Zusammenhang dagegen deutlich: In der Gruppe mit der höchsten Betroffenheit nutzen 41 Prozent KI, in der mit der geringsten 13 Prozent. Das IAB folgert daraus, dass ein Teil des Potenzials bislang nicht erkannt oder nicht in konkrete Anwendungen übersetzt wird.
Rechtliche Unsicherheit bremst vor allem Gesundheits- und Finanzbranche
Rechtliche Unsicherheiten und Datenschutzbedenken werden oft zusammen genannt, von rund einem Drittel der Betriebe ohne KI. Dahinter können laut IAB neben dem EU AI Act auch Fragen des Datenschutzes oder der Haftung stehen. Überproportional häufig nennen Betriebe aus dem Finanz- und Gesundheitswesen rechtliche Unsicherheiten als Grund gegen KI. Technische und organisatorische Hürden wie fehlendes Wissen oder unpassende Daten nennen Betriebe im verarbeitenden Gewerbe um bis zu 15 Prozentpunkte häufiger als im Dienstleistungssektor. Jüngere Betriebe berichten von solchen innerbetrieblichen Hürden um 5 bis 10 Prozentpunkte seltener als ältere.
Das IAB empfiehlt Betrieben, KI an konkreten Aufgaben zu erproben. Ein Hinweis aus der Studie: Die Befragung fand vor dem Aufkommen agentischer KI-Systeme statt, die Einschätzungen der Betriebe können sich seitdem verschoben haben.
Ausbildung: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen will nicht umziehen
Für Betriebe, die Auszubildende suchen, liefert eine zweite IAB-Veröffentlichung dieser Woche Zahlen zur Mobilität. In der Befragung „BeYou – Berufswahl und Du“ können sich 47 Prozent der ausbildungsinteressierten Jugendlichen vorstellen, für eine Ausbildung den Wohnort zu wechseln. 33 Prozent sind offen für einen Umzug in die unmittelbare Umgebung, 14 Prozent würden deutschlandweit umziehen. Etwas über die Hälfte lehnt einen Wohnortwechsel ab oder ist unsicher.
Von den Jugendlichen, die sich keinen Umzug vorstellen können, wollen 57 Prozent in der Nähe von Familie, Freundeskreis oder vertrautem Umfeld bleiben, 56 Prozent nennen zu hohe Wohnkosten. Die Bereitschaft hängt stark vom Schulabschluss ab: 64 Prozent der Abiturientinnen und Abiturienten können sich einen Wohnortwechsel vorstellen, in den Abschlussklassen an Hauptschulen sind es 38 Prozent. Befragt wurden etwa 6.300 Jugendliche der Abschlussklassen 2024, die die Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit genutzt haben. Wer bisher keinen Kontakt zur BA hatte, ist in den Daten nicht enthalten.
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Quellen: IAB – „Fast 90 Prozent der Betriebe ohne KI-Nutzung sehen keine Anwendungsmöglichkeiten“, Presseinformation vom 20.10.2026 · Christian Kagerl – „Weshalb die meisten Betriebe Künstliche Intelligenz (noch) nicht nutzen“, IAB-Forum vom 20.10.2026 · IAB – „Für ausbildungsinteressierte Jugendliche sind soziale Bindungen und hohe Wohnkosten die größten Mobilitätshemmnisse“, Presseinformation vom 22.10.2026
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