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Wochenrückblick

Nur 4 Prozent der Betriebe stellen Arbeitskräfte aus Drittstaaten ein

Die Regeln für die Fachkräfteeinwanderung wurden seit 2023 in drei Stufen gelockert. In den Betrieben ist davon bislang wenig angekommen, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom Donnerstag. Am Dienstag hatte das IAB außerdem untersucht, ob künstliche Intelligenz jungen Beschäftigten den Berufseinstieg erschwert.

Rekrutierung aus Drittstaaten bleibt die Ausnahme

Im dritten Quartal 2025 gaben knapp 4 Prozent der Betriebe in Deutschland an, in den vorangegangenen zwölf Monaten Arbeitskräfte aus Staaten außerhalb der EU eingestellt zu haben. Gezählt wurden dabei nur Personen, die zum Zeitpunkt der Rekrutierung im Ausland wohnten. Unter den Betrieben, die aktiv Personal gesucht haben, lag der Anteil bei rund 6 Prozent. Die Daten stammen aus der IAB-Stellenerhebung, einer repräsentativen Befragung von jährlich rund 15.000 Betrieben und Verwaltungen.

Entscheidend ist die Größe des Betriebs. Von den Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten haben 2 Prozent aus Drittstaaten eingestellt, bei 50 bis 249 Beschäftigten waren es 12 Prozent, ab 250 Beschäftigten 16 Prozent. Nach Branchen liegt das Gastgewerbe mit knapp 7 Prozent vorn, das Gesundheits- und Sozialwesen folgt gemeinsam mit Handel und Verkehr mit rund 5 Prozent. Betriebe, die im Vorjahr eine Personalsuche mangels Bewerbern abbrechen mussten, haben zu 8 Prozent aus Drittstaaten rekrutiert, die übrigen zu 3 Prozent.

Was Betriebe abhält und was sie in der Praxis bremst

Betriebe mit Personalbedarf, die trotzdem nicht aus Drittstaaten einstellen, nennen am häufigsten Sprachbarrieren (46 Prozent). Es folgen die Zufriedenheit mit dem inländischen Arbeitskräfteangebot (35 Prozent) und Unsicherheit bei der Einschätzung der Qualifikation (29 Prozent). Behördliche Hürden spielen in dieser Gruppe mit 15 Prozent eine kleinere Rolle.

Bei Betrieben, die bereits aus Drittstaaten rekrutiert haben, sieht das anders aus: Hier berichten 64 Prozent von Schwierigkeiten mit behördlichen Verfahren. 36 Prozent nennen Sprachbarrieren, 23 Prozent Probleme bei der Anerkennung von Abschlüssen. Wer den Weg einmal gegangen ist, kennt den bürokratischen Aufwand also aus eigener Erfahrung.

57 Prozent würden auch ohne anerkannten Abschluss einstellen

Grundsätzlich ist die Bereitschaft hoch. 57 Prozent der Betriebe wären bereit, Arbeitskräfte aus Drittstaaten auch ohne anerkannten Berufs- oder Hochschulabschluss zu beschäftigen, 43 Prozent lehnen das ab. Meist hängt die Zusage an der Berufserfahrung: 24 Prozent würden bei einschlägiger Erfahrung einstellen, 19 Prozent ohne Einschränkung. 7 Prozent nennen Tätigkeiten, für die der Abschluss ohnehin nicht nötig ist, und nur 5 Prozent den Fall, dass die Anerkennung später nachgeholt wird.

Für reglementierte Berufe gilt das nur begrenzt. Ärztinnen und Ärzte brauchen für die Berufsausübung eine Approbation oder Berufserlaubnis, Pflegefachkräfte die staatliche Anerkennung. Wie die Verfahren ablaufen, beschreiben unsere Ratgeber Ausländische Ärzte einstellen und Pflegekräfte aus dem Ausland anwerben. Wie wir Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen bei der Besetzung unterstützen, steht auf der Seite Medizin und Gesundheitswesen.

KI und Berufseinsteiger: bisher vor allem die Konjunktur

Ein allgemeiner Beschäftigungseinbruch in Berufen, die stark von künstlicher Intelligenz betroffen sind, ist laut IAB bisher ausgeblieben. Seit 2022 entwickelte sich die Vollzeitbeschäftigung dort sogar günstiger als in anderen Berufen: bei den 30- bis 39-Jährigen um fast 6 Prozentpunkte, bei den 40- bis 64-Jährigen um rund 5 Prozentpunkte. Anders bei den 20- bis 29-Jährigen: In stark KI-betroffenen Berufen ging ihre Vollzeitbeschäftigung um 1,2 Prozentpunkte stärker zurück als in weniger betroffenen Berufen. Statistisch signifikant ist dieser Zusammenhang nicht, er verstärkt sich aber über die Zeit.

Deutlich größer ist der Einfluss der schwachen Wirtschaft. In Berufen aus Sektoren mit schlechter Konjunktur sank die Beschäftigung junger Menschen zwischen 2022 und 2025 um 4,2 Prozent. Ein mögliches Warnsignal sehen die Forscher im Verarbeitenden Gewerbe und in nicht akademisch geprägten Berufen, also nicht dort, wo die öffentliche Debatte meist hinschaut.

Quellen: IAB – „Mehrheit der Betriebe offen für Fachkräfte auch ohne anerkannten Abschluss – aber nur 4 Prozent rekrutieren aus Drittstaaten“, Presseinformation vom 15.10.2026 · IAB-Kurzbericht 19/2026 (Annette Jacoby, Felix Stips) – „Trotz grundsätzlich hoher Bereitschaft: Nur ein kleiner Teil der Betriebe rekrutiert aus Drittstaaten“ · IAB – „KI bisher kein Jobkiller, aber Berufseinsteiger zunehmend betroffen“, Presseinformation vom 13.10.2026

Über den Autor

Max Besemer, Geschäftsführer der Vertico Executive Search GmbH
Max Besemer
Geschäftsführung · Vertico Executive Search GmbH

Verantwortet die Marke Expert Recruiting und die spezialisierte Personalvermittlung in Medizin, Steuer, Recht und Vertrieb – mit Fokus auf Direktansprache und Besetzungsgarantie.

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